Kurze Biographie von Dr. Chen Li-Fu
Dr.
Chen Li-Fu wurde 1900 in der Stadt Wuhsing in der Provinz Chekiang
geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er die Nationale
Peiyang Universität im Jahre 1923. An der
Universität Pittsburgh in den USA erlangte er 1925 den
Grad eines Master of Science. Durch General Chiang Kai-shek
wurde er in dessen Regierungsstab berufen. Hier bekleidete
er zahlreiche Ämter, zunächst als Direktor der
Whampoo Militärakademie sowie als Chef des Geheimdienstes.
Dr. Chen wurde 1928 Generalsekretär des Komitees zum
Aufbau der Republik China. Hier löste er praktische
Probleme der modernen Ingenieurtechnik und damit verbundener
wissenschaftlicher Methoden, woraufhin die Kohlebergwerke
in Chekiang und Anhui sowie die Chi-Yeh-yen Elektrofabrik
in Shanghai ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen konnten.
Im April 1929 wurde Dr. Chen zum Generalsekretär des Zentralbüros
der Nationalpartei befördert. Er wurde im Juni 1931 zum
Minister für die zentrale Organisation ernannt. Als der
damalige Kultusminister Chinas, J. Heng Liu, im Jahre 1929
der Regierung vorschlug, die traditionelle Chinesische Medizin
offiziell zu verbieten, gelang es Dr. Chen gemeinsam mit seinem älteren
Bruder Ku-Fu Chen sowie anderen Gleichgesinnten, die chinesische
Regierung davon zu überzeugen, diesen Vorschlag besser
fallenzulassen. In der Folge gründete die Regierung das
Institut für Chinesische Medizin in der Hauptstadt Peking
mit Yih-Tang Chiao als Direktor und Dr. Chen Li-Fu als Vorstandsvorsitzendem.
Rückblickend war dies der entscheidende Schritt für
den dauerhaften Erhalt der Chinesischen traditionellen Heilkunde
in China, auf welchen hin die traditionelle chinesische ärztliche
Praxis schließlich in China gesetzlich anerkannt wurde.
Dr. Chen Li-Fu gilt heute in ganz China als der eigentliche "Retter
der Chinesischen Medizin".
Im Jahre 1935 unterzeichnete Dr. Chen im Auftrag seiner Regierung
einen Friedensvertrag mit der UDSSR, durch weichen China
während
des chinesisch-japanischen Krieges Militärhilfe von Rußland
erhielt. Im gleichen Jahr überzeugte Dr. Chen den Politiker
Zhou En-Lai von der kommunistischen Partei Chinas, eine gemeinsame
chinesische Erklärung gegen die Japaner mitzutragen und
mit zu veröffentlichen.
Als Kultusminister während des chinesisch-japanischen
Krieges war Dr. Chen entscheidend dafür verantwortlich,
daß die chinesische Regierung Stipendien und Kredite
an Millionen notleidender Studenten in China vergab. Diese
Bemühung um die Ausbildung junger Studenten hat sich seither
erfolgreich gezeigt, da viele von ihnen führende Rollen
in der Entwicklung des modernen Taiwan, der Republik China, übernommen
haben, einschließlich der chinesischen Nobelpreisträger
Dr. C.N. Yang und Dr. T.D. Lee.
Während seiner Dienstzeit als Kultusminister entwarf Dr.
Chen die Grundsätze für eine Erziehung in Kriegszeiten.
Er verbesserte die Wirksamkeit der Verwaltung, stellte die
Regeln für ein Universitätsstudium in China auf,
institutionalisierte die Anforderungen für die Gründung
einer Universität und das dazugehörige System für
ihre internationale Anerkennung. Er legte auch die verschiedenen
Richtlinien für Grund- und Hauptschulen fest, ebenso diejenigen
für die fünfjährige Ausbildung an technischen
Hochschulen, sowie das System für die Zusammenarbeit zwischen
den Schulen, Hochschulen und anderen Organisationen. Darüber
hinaus gab das Kultusministerium unter seiner Leitung allgemeingültige
Lehrbücher heraus, vereinheitlichte die Zulassungsbestimmungen
zu den Universitäten und förderte die Bildung innerhalb
der chinesischen Gesellschaft. Kurz gesagt, Dr. Chen's Errungenschaften
sicherten eine Ausbildung in China, die nicht bloß andauerte,
sondern weiter fortschritt, und die gerade während der
Zeit des chinesisch-japanischen Krieges von revolutionären
Veränderungen profitierte. Diese Errungenschaften waren
für den Aufbau in der Nacbkriegsphase Chinas von unschätzbarem
Wert.
Andere wichtige Leistungen von Dr. Chen während seiner
Zeit als Kultusminister waren die Erhaltung wertvoller Bücher
zwecks Verbesserung der Sammlung einer zentralen Bibliothek,
ferner die Einrichtung der zentralen chinesischen Rundfunkstation
(gemeinsam mit seinem älteren Bruder, Ku-Fu Chen), übrigens
der größten Rundfunkstation in ganz Asien. Außerdem
gründete er die "New Collection" und die Cheng-Chung
Presse sowie die Nationale Musikakademie. Da die chinesische
Küste während des chinesisch-japanischen Krieges
mit einer Blockade belegt war, schlug Dr. Chen die Konstruktion
der Autobahn zwischen Yunnan und Burma vor. Um den internationalen
kulturellen Austausch zu verbessern, organisierte er die chinesisch-amerikanische
Kulturgesellschaft sowie die chinesisch-lateinamerikanische
Kulturgesellschaft und richtete in San José Kalifornien,
USA, den Chinesischen Kulturgarten ein.
Nach Beendigung des chinesisch-japanischen Krieges trat Dr.
Chen erneut in das Ministerium zur Zentralen Organisation
ein und wurde zum Vizepräsidenten der chinesischen Regierung
gewählt. Nachdem die Regierung nach Taiwan verlegt worden
war, verließ er aber die politische Szene und ging
in die USA, wo er Hühner züchtete. Er lehnte während
dieser Zeit Angebote ab, Botschafter Chinas bei den Vereinten
Nationen, in Japan, Spanien oder Griechenland zu werden.
Auch lehnte er ab, Präsident des Prüfungs-Ministeriums
und Außenminister zu werden. Vielmehr organisierte
Dr. Chen gemeinsam mit Prof. Webber von der Columbia-Universität/New
York die zukünftige Forschung für eine moderne
chinesische Geschichtsschreibung. Dieses Projekt, das im
1. Kapitel in
seinen Memoiren erwähnt wird, begann in den Vereinigten
Staaten mit der Unterstützung der Ford-Foundation und
wurde Jahre später in Taiwan vollendet.
1969 kehrte Dr.
Chen schließlich
nach Taiwan zurück,
hielt sich aber weiterhin außerhalb der Politik. Als
Berater des Präsidenten Chiang Kai-Shek förderte
er hier den Wiederaufbau kultureller Aktivitäten und
wurde Präsident der Konfuzius-Menzius-Gesellschaft.
Als Vizepräsident
des Rates für chinesische kulturelle Renaissance gründete
er das Komitee zur Unterstützung wissenschaftlicher
Erfindungen. Zur Untermauerung der Tatsache, daß die
Naturwissenschaften keine rein westliche Erfindung sind,
gründete er das Komitee
zur Obersetzung von Dr. Joseph Needham's großem Werk "Science
and Civilization in China". Er gründete ferner
das Komitee zur Bestandsaufnahme der Geschichte der chinesischen
Wissenschaften und Technologie sowie das Komitee für
die Integration der traditionellen und modernen Medizin,
ferner
das traditionelle chinesische Zentrum zur Bekämpfung
von Krebserkrankungen und den Fond für traditionelle
medizinische Forschung und Entwicklung. Dr. Chen Li-Fu hat
zahlreiche Bücher
und Publikationen veröffentlicht. In der Zeit nach dem
zweiten Weltkrieg vollendete er im Oktober 1961 das Werk "Der
konfuzianische Weg: Eine systematische Studie der "Vier
Bücher". Von diesem Buch wurden mehr als 90'000
Exemplare verkauft, es wurde ins Englische, Japanische und
Koreanische übersetzt.
Außerdem veröffentliche er die Werke "Die
politischen Gedanken des Menzius", "Gedanken über
die Moral von Menzius", "Die Wirkungen des konfuzianischen
Studiums auf die Welt" (in 2 Bänden) und das Werk "Die
Philosophie der Menschen". Aus der Überzeugung,
daß das
1-Ging die grundlegenden Prinzipien formuliert, welche die
Existenz und die Evolution der Natur beherrschen, schrieb
Dr. Chen eine Sammlung
von drei Abhandlungen mit dem Titel "Studien über
die Anwendungen des 1-Ging".
Im Jahre 1972 wurde Dr. Chen der 5. Vorstandsvorsitzende
(des Board of Governers) des China Medical College (CMC).
Er tat
dies, um seinen Wunsch nach Wiederbelebung der Chinesischen
Medizin zu erfüllen. In dieser neuen Eigenschaft war
er maßgebend für die Neuorganisation des Vorstands
zwecks Erhöhung der Anzahl der Fakultätsmitglieder
und zum Aufbau neuer dem CMC angeschlossener Krankenhäuser
in Taiwan. Ferner förderte er die Modernisierung der
Chinesischen Medizin hinsichtlich einer miteinander abgestimmten
und vereinigten
chinesisch-westlichen Heilkunde.
Anläßlich seines 89-sten Geburtstages im Jahre
1989 wurde die Li-Fu Medical Research Foundation gegründet.
Außerdem wurde ein internationaler Medizinpreis,
der Li-Fu Academic Award for Chinese Medicine, geschaffen
zwecks
Würdigung der Leistungen chinesischer und ausländischer
Gelehrter zur Forschung in Chinesischer Medizin, Chinesischer
Pharmazeutik und Akupunktur. Zahlreiche prominente internationale
Mediziner konnten bereits mit dem Li-Fu-Award ausgezeichnet
werden. Die Beiträge Dr. Chen Li-Fu's zur chinesischen
Kultur und zur traditionellen Chinesischen Medizin in diesem
Jahrhundert sind in der Tat unvergleichlich.
Die in Taiwan,
Freiburg im Breisgau und Basel gegründete Erste Europäische
Hochschule für Chinesische Medizin, das Li-Fu International
College of Chinese Medicine (LICCM) Europe, trägt
Dr. Chen Li-Fu's Namen. Er wird im Juni 1998 zur offiziellen
feierlichen Eröffnung der Hochschule nach Freiburg
anreisen.

Dr. Chen Li-Fu und Prof. Dr. Claus C. Schnorrenberger bei einer
Diskussion über Tong-Ren (Kupfer-Menschen) – das
klassische Zhen-Jiu (Akupunktur) -Urmodell.